Im Oktober, zur Weihnachtszeit und zu anderen besonderen Anlässen sieht man sie in den sozialen Medien – zumindest wenn man kreativen Menschen folgt – zuhauf. Viele machen ihr eigenes Ding, andere machen mit. Solltet ihr noch nicht wissen, was ich meine, macht euch keinen Kopf, schon im nächsten Punkt gehe ich in die Details.
Klar ausgedrückt!
Jeden Oktober basteln, malen und schreiben kreative Köpfe auf der ganzen Welt zu verschiedenen gruseligen Themen. Die berühmteste dieser Aktionen für Künstler*innen wird wohl der Inktober von Jake Parker sein, den er 2009 ins Leben gerufen hat, um seine Zeichenkünste zu verbessern. Mittlerweile gibt es Hunderte solcher Aktionen. Manche sind auf bestimmte Medien oder Plattformen beschränkt, die meisten, denen ich begegnet bin, sind für alle Arten von Kunst offen.
Wie läuft sowas ab?
Eine Person denkt sich einen Namen für ihr Projekt aus und sucht ein paar schöne Begriffe dafür zusammen. Jetzt im Oktober sind vor allem Wörter aus unserem gruseligen Gebiet gefragt. Das wird dann in ein Bild gepackt (mit oder ohne unheimlichen Hintergrund) und im besten Fall bereits vor Oktober hochgeladen, damit andere sich darauf vorbereiten können. Es kann sein, dass es bestimmte Regeln für die jeweilige Herausforderung gibt, z.B. zur Länge oder Art der Einreichungen. Viele lassen das aber offen. Dann legen die jeweiligen Teilnehmer*innen los – wann ist ihnen überlassen. Hauptsache sie laden die Beiträge am richtigen Tag hoch.
Ich habe keine Zeit für sowas!
Höre ich schon aus der Ferne. Und das ist auch in Ordnung. Niemand, nicht einmal ich, wird dich dazu zwingen mitzumachen. Aber es lohnt sich, darüber nachzudenken. Schreiben ist Übungssache. Je öfter man es tut, desto besser wird man darin. Und je nachdem was man genau macht, hilft es auch bei verschiedenen, eigenen Baustellen. Meine Wenigkeit ist eine Perfektionistin. Das heißt, ich veröffentliche sehr selten eine Geschichte, weil ich sie immer wieder und wieder überarbeite. Ich bin nie zufrieden. Irgendwo finde ich immer eine Schwachstelle. Vor ein paar Jahren habe ich beim Schrecktober von @Wortakrobat auf Twitter mitgemacht. Ich habe seine Wortliste dazu benutzt, eine Geschichte zu schreiben. Jeden Tag habe ich dabei etwa 300 Wörter weiter geschrieben. Ich hatte mir selbst vier Regeln aufgelegt.
Der Beitrag muss mindestens 300 Wörter umfassen.
Ich darf nicht nachlesen, was ich am Tag vorher geschrieben habe.
Was ich schreibe, muss die Geschichte voranbringen.
Nach zwei Überarbeitungen muss der Beitrag hochgeladen werden, egal ob ich zufrieden bin oder nicht.
Falls dich das Ergebnis interessiert: Ich habe die einzelnen Bruchstücke zusammen gesucht und sie in einem kleinen Buch veröffentlicht. Die e – Version wird es wieder zu kaufen geben, sobald mein Onlineshop eröffnet.
War das schmerzhaft? Und wie! Frag nicht nach Sonnenschein! Aber es war ein sehr lehrreicher Schmerz. Ich habe zum Beispiel gelernt, mit Intention zu schreiben (also einem klaren, vorgefassten Ziel). Vorher habe ich vor allem versucht, zwischen den „Großereignissen“ einer Geschichte Zeit totzuschlagen und erst bei den Überarbeitungen einen Sinn hineinzubringen. Was nicht nur die Arbeitszeit verlängert, sondern auch generell mehr Arbeit macht. Schließlich muss man jede Änderung, die man vornimmt, mit dem Rest des Textes abstimmen. Was vorherige Bearbeitungen teilweise im Nachhinein überflüssig macht. Außerdem musste ich lernen, dieses unangenehme Gefühl auszuhalten, dass mich immer überkommt, wenn ich etwas hochlade, dass in meinen Augen nicht zu 100 % perfekt ist. Und schlussendlich hat es mir gezeigt, wie ich meinen Tagesablauf beeinflussen muss, um mehr Zeit für meine eigenen Projekte zu bekommen.
Um alles zusammenzufassen; für mich hat es sich damals gelohnt und ich bin sehr froh, dass ich mitgemacht habe. Sind meine Probleme einfach verschwunden? Nein, aber ich habe große Schritte in die richtige Richtung gemacht. Und das ist im Endeffekt das Wichtigste für mich.
Habt ihr auch schon mal bei sowas mitgemacht? Und wie habt ihr euch geschlagen? Schreibt mir dazu in die Kommentare!
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