Matteo rannte. Zweige schlugen ihm ins Gesicht. Schreie erklangen hinter ihm. So viele Menschen. So viele Opfer. Und niemand außerhalb des Dschungels würde etwas vom Grauen des ‘Festín de sangre ajena’ hören, wenn er es nicht hinausschaffen würde. Warum war ihm nur nicht aufgefallen, dass Etwas faul war? Es war nicht einmal sein erstes Mal in Südamerika. Aber es war das erste Mal, dass er um sein Leben rannte. Hatten ihn die schönen Erinnerungen an seine früheren Urlaubsreisen blind für die Gefahr gemacht?
Oder lag es nur an ihr? Lucía, die ihm auf den ersten Blick bereits das Herz gestohlen hatte? Das falsche Biest hatte seine Schönheit als perfekte Maske genutzt. Doch auch wenn er die Schuld an seinem Verderben gerne nur auf sie geschoben hätte, musste er sich eingestehen, dass er ein leichtes Opfer für sie war.
Die Schreie wurden leiser. Aber dafür hörte er nun die Monster, die ihn verfolgten. Matteo wagte es nicht sich umzudrehen, aber das musste er auch nicht. Er hatte genug von ihnen auf dem Fest gesehen. Der Blutmond stand am höchsten Punkt. Er war auf der Suche nach Lucía gewesen, die plötzlich in der Menge verschwunden war, während sie miteinander tanzten. Dabei fiel ihm auf, dass alle Einheimischen verschwunden waren. Und dann hörte er den ersten Schrei, als ein junger Mann aus Frankreich, den er aus dem Flugzeug kannte, von zwei dieser Dinger angesprungen und umgerissen wurde. Bevor jemand reagieren konnte, waren seine Schreie nur noch ein kurzes Gurgeln, dann war es vorbei. Panik war ausgebrochen. Alle rannten durcheinander. Viele klopften an Fensterläden und Türen. Sie flehten um Hilfe. Doch die Einheimischen halfen nicht. Jetzt wusste er, warum die Fensterläden so stark gesichert und das Vieh am Tag in die sicheren Ställe gebracht worden war.
Das hier war kein Fest für die Menschen, sondern eines für diese affenähnlichen Kreaturen.
Blutmond
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