Die Wohnung war sauber und aufgeräumt.
Marianne sah sich um. Die Kollegen hatten gesagt, sie würde ihre Zeit verschwenden, dass es sich um einen Fall von Altersschwäche handelte. Aber sie sah das anders. Die Leiche saß in einem Wohnzimmersessel. Augen offen, die Hände des alten Mannes krallten sich in die Armlehnen, den Mund zu einem stummen Schrei geöffnet. So sah kein Toter aus, der friedlich dahingeschieden war. Egal ob man Spuren von Gewalteinwirkung sehen konnte oder nicht.
Zuerst bemerkte sie ein paar Lautsprecher, die an seltsamen Orten platziert waren. Sie fand welche hinter dem Fernseher, unter dem Sessel, fast ganz verdeckt von den herabhängenden Fransen, die fast bis zum Boden hinunterreichten. Dann fielen ihr Unterbrechungen in den einzelnen Brettern des Bodens auf, die sich alle auf einen bestimmten Bereich konzentrierten und die man nur sehen konnte, wenn man sich tief hinunterbückte.
Sie hatte einen Schalter gefunden, der genauso beiges war wie die Wand selbst und deshalb aussah, als wäre er im falschen Raum. Er war an sich schwer zu sehen, was noch davon erschwert wurde, dass er sich etwas versteckt hinter einem der Vorhänge, direkt neben dem einzigen, offenen Fenster des Wohnzimmers befand. Sie nahm ihren Kugelschreiber und legte ihn um. Sekunden später waren aus allen Himmelsrichtungen Schreie zu hören. Die Lichter schalteten sich abwechselnd an und aus. Dann öffneten sich die Bodenbretter in der Mitte des Raumes, wo eine Figur aus dem Loch stieg. Sie trug ein Hochzeitskleid und einen Schleier. Die Figur neigte sich schnell vor und streckte die Arme aus, als wollte sie nach jemandem greifen.
„Da haben wir unsere Todesursache“, sagte sie.
„Und woran ist er nun gestorben?“, fragte ihr Kollege Schulz.
„Angst.“
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