Drei Wege um mit Kurzgeschichten produktiv zu sein
ElenavonDornblut
Ok, ich weiß. Kurzgeschichten sind nicht gerade das Nonplusultra, wenn es um literarische Formen geht. Viele sehen sie als Zeitverschwendung, beklagen sich das „einfach nicht genug Raum für große Ideen“ vorhanden sei oder behaupten glatt, Kurzgeschichten wären unter ihrem Niveau. Alles schon gehört. Und immer wieder ärgert es mich, nicht nur aus Solidarität (wir Zwerge müssen schließlich zusammenhalten), sondern weil Kurzgeschichten einen Daseinszweck haben. Sogar mehrere. Und ich erzähle dir jetzt von meinen drei Lieblingsverwendungen (hast du gedacht, dass das ein echtes Wort ist? Ich auch nicht. Sprache ist schon was Tolles!).
Die Kurzgeschichte als …
… Entrümpler!
Das hier ist vielleicht die herkömmlichste Art um Kurzgeschichten zu nutzen (neben dem Fakt das man einfach eine Kurzgeschichte schreiben will, natürlich). Du hast eine Idee für eine Geschichte. Du weißt sogar schon, dass du auf jeden Fall eine Novelle oder sogar einen ganzen Roman daraus machen willst! Du bist auf jeden Fall von dieser Idee überzeugt. Aber beim Schreiben fällt dir dann folgendes Problem auf: Die Idee gibt nicht genug Stoff her für so viele Seiten. Du hast die ganze Zeit über Probleme, deine Figuren von A nach B oder weiter zu bringen. Du gibst dir wirklich Mühe, aber du merkst selbst wie sich Füllwörter, nutzlose Absätze oder sogar ganze Seiten voller Buchstaben, aber ohne Bedeutung ansammeln. Hier kannst du deine Idee wunderbar mit dem Kurzgeschichten Format erforschen. Versuche, deine Geschichte in die (Back)Form einer Kurzgeschichte zu bringen. Streiche dazu, was deine Geschichte ausbremst, wirf Figuren hinaus, die deiner Handlung nicht dienlich sind. Mach Schluss mit Füllwörtern und ihres Gleichen, bis deine Idee physisch vor dir liegt. Muss das, was dabei herauskommt irgendwie gut sein oder gar fertig geschrieben? Nein, natürlich nicht. Natürlich kannst du das Schicksal deiner Geschichte akzeptieren und solange an ihr arbeiten, bis sie die beste Kurzgeschichte ist, die sie sein kann. Du kannst aber auch zum übernächsten Verwendungszweck weiter gehen und diesen ausprobieren.
… Mülleimer!
Es klingt deprimierend, aber ich muss dir eines gestehen: Nicht jede Idee ist eine gute. Auch nicht beim Schreiben. So wie nicht jede Figur ihre eigene Geschichte verdient hat, einfach nur fürs existieren.
Aber auch diese Ideen können sich hartnäckig in deinem Kopf festsetzen. Sogar so schlimm, dass du nicht mehr an anderen Geschichten arbeiten oder dich auf Etwas anderes konzentrieren kannst. Immer wieder kreisen deine Gedanken um diese eine Idee, in extremen Fällen kannst du nicht mal mehr richtig schlafen. Und an dieser Stelle ist es, meiner Erfahrung nach zumindest, sehr hilfreich das, was dich da beschäftigt einfach auf eine oder mehrere Seite zu verbannen, damit es raus aus deinem System ist. Musst du die Seiten hinterher wegwerfen? Nicht unbedingt. Du könntest die Kurzgeschichte in einem Ordner (physisch oder elektronisch) abheften. Und wenn du irgendwann Mal absolut keine Idee für eine neue Geschichte hast, könnte sie die Vorlage zu einer weitaus besseren Geschichte werden.
… Vorlage!
Eine Kurzgeschichte muss nicht das Ziel sein. Manchmal kann es vorkommen, dass du dich hinsetzt um eine solche zu schreiben, nur um dann festzustellen, dass du nicht mit dem Platz, den sie dir bietet, klar kommst. So erging es mir zum Beispiel, als ich „Das Hotel im Wald“ geschrieben habe, mein erstes Buch. Anfangs ging es mir darum, eine Kurzgeschichte für einen Schreibwettbewerb zu schreiben, die Idee dazu kam mir in einem Albtraum. Doch je mehr ich schrieb, desto mehr dämmerte mir, dass ich nicht innerhalb des Kleinformats bleiben kann. Lustigerweise, fiel mir das auf, bevor die beiden Hauptfiguren im Hotel selbst angekommen waren. Nun stand ich natürlich da und wusste nicht, wohin mit all den Wörtern und Ideen in meinem Kopf. Also, nahm ich das, was ich bereits geschrieben hatte und schrieb einfach weiter. Ohne mir über das Format oder die Wortanzahl den Kopf zu zerbrechen. Am Ende hatte ich eine runde Vorlage, die ich dazu nutzen konnte, weiter an den Figuren und dem Ablauf zu feilen, bis das Endprodukt dem entsprach was ich mir vorgestellt hatte.
Ein abschließender Gedanke:
Es gibt noch einen Nutzen den Niemand abstreiten kann. Dieser Grund ist so dermaßen in Stein gemeißelt, dass Niemand ihn entkräften kann. Nämlich; Um besser zu schreiben, musst du mehr schreiben. Denn schreiben ist ein Handwerk. Der Spruch ist so ausgelutscht wie ein Kaugummi der seit drei Jahren unter dem gleichen Tisch im Klassenzimmer klebt, aber dennoch bleibt er wahr.
Und das war‘s von mir. Jetzt bist du dran. Kannst du die Liste noch um einen oder zwei Punkte erweitern? Oder möchtest du über einen der Verwendungszwecke diskutieren?
Ich habe da so ein praktisches Dingens, namens Kommentarspalte.
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