Leichnam

Das Geräusch von Fingernägeln auf Holz ist ein besonderes. Es lässt einen aufschrecken und ruft Unbehagen vor. Gerade, wenn man es Nachts hört, kurz nach seinem Einzug.

„Das ist sicher eine Ratte oder ein verirrtes Eichhörnchen“, hatte er zu ihr gesagt, um sie zu beruhigen.

Vielleicht lag es an dem anstrengenden Tag, der hinter ihnen lag. Umzüge sind schwierig und mühevoll. Oder sie dachten, dass das Tier von selbst wieder hinausfinden würde. Auch am nächsten Tag, als das Kratzen wieder zu hören war, suchte keiner von ihnen nach der Quelle. Sie verschoben es wieder und wieder auf Morgen und einigten sich so wortlos darauf, es zu ignorieren. Das Kratzen wurde lauter, von Woche zu Woche. Lagen Anfangs noch Pausen dazwischen, so wurden sie immer kürzer, bis das Geräusch ununterbrochen zu hören war. Dann begannen Dinge zu verschwinden. Hier eine Tasse, da die Fernbedienung, zum Schluss die ganze Kaffeemaschine. Die Frustration, die von dem Schlafmangel angekurbelt wurde, schraubte sich immer weiter nach oben. Dann, als sie eines Abends ihre Einkäufe ausräumten, flog eine Dose mit Gemüse haarscharf am Kopf des Mannes vorbei.

Damit hatten sie endgültig genug.

Beide gingen zum Werkzeugkasten, bewaffneten sich und schlugen große Löcher in eine Wand nach der anderen hinein. Sie hörten erst auf, als sie in eine Wand schlugen, aus der Katzenstreu rieselte. Das Geräusch verstarb. Vorsichtig verbreiterten sie das Loch, bis ein mumifizierter

Kopf hinaus hing.

Die herbeigerufenen Beamten bargen den Rest des Leichnams.

Das Kratzen kehrte nie wieder zurück.

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